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Freistellen mit dem Smartphone – ganz ohne Profikamera

Die Möglichkeit zum freistellen mit dem Smartphone ist vielen nicht bekannt. So verschenken viele Bilder mit einem guten Bildaufbau und interessantem Inhalt einen Teil ihres Potentials. Hier kann mit einfachen Mitteln abgeholfen werden.

Herangehensweise an das Freistellen

Jeder erkennt sofort Fotos, die mit hochpreisigen Kameras aufgenommen wurden. Oftmals wird als stilistisches Mittel die Freistellung verwendet. Hierbei ist das Objekt oder die Person scharf abgebildet und die anderen Bildbestandteile verschwimmen in einer ruhigen und stimmigen Unschärfe. Die Art und Weise dieser Unschärfe nennt sich Bokeh. Sie kann mit einfachen Mitteln auch auf nicht ganz topaktuellen Smartphones erzeugt werden.

Während die aktuellen Flagschiffe wie z.B. das Huawei P20 Pro mit mehreren Kameras, unterschiedlicher Brennweite oder per Software berechneten Bokeh das Problem lösen, bleibt die älteste Lösung die, die zu Unrecht nur wenigen bekannt ist. Für diesen Artikel haben wir das Galaxy S8 von Samsung verwendet. Die Beschreibung lässt sich aber problemlos auf andere Modelle und Hersteller übertragen. Notwendig ist lediglich, dass man manuell scharf stellen kann.

Die Einstellungen ändern

Einstellungen zum Freistellen

Die manuelle Scharfstellung lässt sich bei dem Galaxy S8 mit wenigen Klicks aktivieren. Nach dem Start der Kamera-App wird von links nach rechts über den Bildschirm gewischt, wodurch das Optionsmenü aktiviert wird.

In diesem wird „Pro“ ausgewählt und anschließend die Einstellung „MF“, wodurch man einen Schiebebalken erhält, der es einem ermöglicht manuell scharf zu stellen.

Einstellungen zum Freistellen

Weitere Einstellungen sind nicht notwendig, um an das gewünschte Ergebnis zu kommen. Um wieder zu seiner gewohnten Einstellung zu kommen ruft man erneut das Optionsmenü auf und klickt auf „Auto“. In der Auto-Einstellung werden die Bilder dann wieder wie gewohnt durchgehend scharf, was für Schnappschüsse durchaus sinnvoll ist.

Das Prinzip verstehen

Um nun mit dem manuellen Fokus eine Unschärfe zu erzeugen ist es notwendig, sich ein paar Gedanken zu dem Bildaufbau zu machen. Diese Gedankengänge müssen sich aber auch Besitzer von großen Spiegelreflexkameras machen, denn auch dort greift das gleiche Prinzip, wenngleich die dort verbauten Sensoren das Freistellen vereinfachen.

Die Unschärfe entsteht physikalisch bedingt durch den Abstand zwischen der Kamera, dem zu fotografierenden Objekt und dem Hintergrund. Vorteilhaft ist es, wenn man sich mit der Kamera nah an das abzulichtende Ziel heran bewegen kann und ein größerer Abstand zum Hintergrund bleibt. Bei einem Portrait lässt sich eine solche Situation einfach herstellen, indem man die Person an die passende Stelle dirigiert. Anschließend wird durch den Schiebebalken scharf gestellt und der Hintergrund verschwimmt ganz von alleine. Bei dem scharfstellen wird man bei dem Galaxy S8 zusätzlich durch ein Fokus Peaking unterstützt, welches die Bereiche farblich markiert, die im Schärfebereich liegen. So gelingen auch ohne große Übung schnell perfekt scharf gestellte Bilder.

Vergleich

Kein Freistellen mit Autofokus

Das vorstehende Foto wurde im Automatikmodus geschossen und bildet wie gewohnt ab.

Erfolgreiches Freistellen mit manuellem Fokus

An der gleichen Stelle haben wir auf den Vordergrund scharf gestellt. Man sieht, wie die Säulen im Hintergrund verloren gehen und den Blick des Betrachters auf den Baum lenkt.

Fazit

Wie gezeigt ist das Spiel mit der Tiefenschärfe schnell und einfach zu handhaben – das freistellen also einfacher als gedacht. Die oft getätigte Aussage, dass dieses Stilmittel mit einem Smartphone nicht möglich sei, weil der Sensor dafür zu klein ist, gehört damit seit längerer Zeit zum alten Eisen.

Wo Licht ist, ist natürlich auch Schatten. Während teure Objektive darauf getrimmt werden, ein extrem weiches Bokeh zu erzeugen und dabei schöne Unschärfekreise zeigen, ist das Smartphone bisweilen wählerisch wenn es um die Qualität der Unschärfe geht. Hintergründe wie ein Maschendrahtzaun erzeugen gerne ein eine unruhige Unschärfe. Auch dunkle Bildbereiche sind nicht das Fachgebiet der kleinen Sensoren mit ihren entsprechenden Optiken. Hier bedarf es ein wenig Übung bis man bereits vorher einschätzen kann, ob das Motiv so wie gewünscht fotografiert werden kann.

Wer sich von ein paar Rückschlägen nicht demotivieren lässt wird aber mit Bildern belohnt, die sich nicht sofort als mit dem Smartphone aufgenommen outen.

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Ein Kommentar zu “Freistellen mit dem Smartphone – ganz ohne Profikamera”

  1. Hallo,
    wow, wußte nicht, daß das überhaupt geht. Danke für den Artikel!
    Werde das direkt ausprobieren.
    Gruß
    Oliver

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